Es ist vollbracht. Die Hardware-Phase für mein Projekt NEXUS ist abgeschlossen. Während viele in der Bioakustik „nur“ Rufe sammeln, geht es hier um das Fundament: Die Physik hinter dem Schall.
Der Gamechanger: Der Dämpfungskoeffizient ɑ
Warum der ganze Aufwand mit einer eigenen Wetterstation und hochpräzisen Umweltsensoren? Die Antwort ist ein einziger griechischer Buchstabe: ɑ (Alpha).
In der Welt des Ultraschalls ist die Luft kein leerer Raum, sondern ein massiver Widerstand. Der Dämpfungskoeffizient ɑ beschreibt, wie viel Energie ein Ruf pro Meter Wegstrecke verliert. Dieser Wert verändert sich massiv mit der Temperatur, der Luftfeuchtigkeit und dem Luftdruck.
Ohne die exakten Umweltdaten, die der NEXUS liefert, bleibt jede Analyse von Fledermausrufen nur eine Schätzung. Erst durch die Korrektur mit ɑ können wir die tatsächliche Quelllautstärke und die Reichweite der Rufe unter realen Bedingungen bestimmen. Der NEXUS liefert die Korrekturkurve, die vor mir in diesem Umfang im Feld niemand hatte.
Die Hardware: Präzision im Garten-Test
Das NEXUS-Rig ist für den autarken Einsatz konzipiert und zeigt sich aktuell in meinem Garten-Setup von seiner besten Seite:
Rechenpower: Ein Seeed XIAO ESP32S3 sense, für die Validierungsphase sicher auf dem Expansionsboard montiert.
Sensorik: BME680: Liefert die kritischen Werte für Temperatur, Druck und Feuchte zur ɑ (alpha)-Berechnung.
AIR530 (GPS): Für präzise Zeitstempel und Standortdaten.
Sparkfun Wetterstation (SEN-15901): Ergänzt Wind- und Niederschlagsdaten.
Konnektivität: Aktuell läuft das System stabil im WLAN und bietet vor Ort ein Komfort-Interface via HTML-Server (Grafiken). Die Nachrüstung auf LoRaWAN für Reichweiten über mehrere Kilometer ist bereits als nächster Ausbauschritt fest eingeplant.
Energie: Eine robuste 10.000 mAh Powerbank sorgt für die nötige Ausdauer.
Handwerkliche Basis: Der TeensyBat-Decoder
Ergänzt wird der NEXUS durch den TeensyBat, der für die eigentliche Decodierung der Rufe zuständig ist. Als Maschinenschlosser überlasse ich hier nichts dem Zufall: Der TeensyBat sitzt auf einer massiven Bodenplatte. Das sorgt für die nötige mechanische Stabilität und Entkopplung im Außeneinsatz.
Ausblick: Frühjahr 2026
Sobald die Fledermäuse aus dem Winterschlaf erwachen, beginnt die Validierungsphase. Dann wird der NEXUS zeigen, wie er die akustischen Daten des TeensyBat und die Thermal-Aufnahmen der TOPDON TS004 in einen physikalisch korrekten Kontext setzt.
Blick hinter die Kulissen: Die Hardware im Detail
Ein Projekt wie der NEXUS entwickelt sich von der Skizze bis zum finalen Gehäuse. Damit ihr seht, wie der aktuelle Stand der Technik aussieht, habe ich die Dokumentation des Rigs direkt aus dem Testbetrieb für euch freigegeben.
Hier seht ihr den „ehrlichen“ Aufbau: Von der präzisen Integration des BME680 bis hin zum funktionalen Setup des Displays. Es ist ein echtes Arbeitsgerät für die Praxis – modular, zugänglich und bereit für die ersten Messreihen:
👉 HIER GEHT ES ZU DEN BILDERN (GOOGLE DRIVE)
Besonders beim Blick auf die Verkabelung des XIAO ESP32S3 wird deutlich, wie kompakt die Steuerzentrale für die ɑ-Berechnung bereits ist. Dass im aktuellen Stadium noch pragmatische Lösungen für die Befestigung genutzt werden, gehört zum echten Prototyping dazu – Funktion geht hier ganz klar vor Show-Effekt!



