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Dienstag, 6. Januar 2026

Das Wetter-Rätsel der Fledermäuse

Warum wir beim Fledermaus-Zählen auch aufs Thermometer schauen

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Wenn ich nachts am Padersee stehe, habe ich nicht nur mein „Hörgerät“ für Ultraschall (den TeensyBat) dabei, sondern auch eine kleine Wetterstation namens NEXUS. Mein Bekannter fragte mich neulich: „Jochen, warum schleppst du das ganze Zeug mit? Reicht es nicht, einfach die Fledermäuse zu zählen?“

Die Antwort ist ein klares Nein. Und die Grafik oben (07_umwelt_korrelation_blog.png) zeigt genau, warum.

1. Die Temperatur: Die Heizung der Nacht

Fledermäuse sind zwar warmblütig, aber sie sind schlau. Wenn es zu kalt ist, bleiben ihre Lieblingsspeisen – die Insekten – im „Bett“. In der Grafik siehst du die rote Linie für die Temperatur. Sinkt sie unter einen gewissen Punkt, verschwinden oft auch die grauen Balken (die Fledermausrufe). Wir validieren also: Fliegen sie heute nicht, weil keine da sind, oder ist es ihnen einfach zu schattig?

2. Die Luftfeuchtigkeit: Der „Schall-Schlucker“

Das ist der spannendste Teil für die Technik-Fans. Die blaue gestrichelte Linie zeigt die Luftfeuchtigkeit. Feuchte Luft wirkt auf Ultraschallrufe wie eine dicke Wolldecke. Sie schluckt den Schall.

  • Das Problem: Wenn es sehr feucht ist, hört mein Gerät die Fledermaus vielleicht erst, wenn sie 5 Meter vor mir ist.

  • Die Validierung: Mit den Daten vom NEXUS kann ich später am Computer ausrechnen: „Aha, die Luft war so feucht, dass die KI die Rufe gar nicht deutlicher hören konnte.“

3. Die grauen Balken: Die „echte“ Arbeit

Die grauen Flächen im Hintergrund sind die Momente, in denen die KI (BatDetect2) Rufe erkannt hat. In der Validierungsphase vergleiche ich diese Balken mit meinen Notizen von der Transektbegehung. Wenn ich aufgeschrieben habe „18:45 Uhr – Großer Abendsegler am Südufer gesehen“ und die Grafik zeigt genau dort einen Ausschlag, dann weiß ich: Das System funktioniert!

Fazit für Nicht-Akademiker

Die Validierungsphase ist im Grunde wie das Eichen einer Waage. Wir nutzen das Wetter (Temperatur & Feuchtigkeit) und unsere eigenen Augen, um sicherzustellen, dass die Technik keinen Quatsch erzählt. Nur so können wir am Ende des Jahres sagen: „Ja, den Zwergfledermäusen am Padersee geht es gut – und wir haben die Beweise dafür!“



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