Warum wir Fledermäuse „validieren“ – Ein Blick hinter die Kulissen des NEXUS-Projekts
Stellt euch vor, ihr habt ein hochempfindliches Hörgerät, das die Sprache von Wesen übersetzt, die wir normalerweise gar nicht hören können: Fledermäuse. Genau das macht unser TeensyBat und die künstliche Intelligenz (KI) im Hintergrund. Aber: Kann man einer Maschine blind vertrauen?
Nicht ganz. Hier kommt die Validierungsphase ins Spiel.
Einfach gesagt: Wir prüfen, ob die Maschine die Wahrheit sagt. Wenn die KI im Computer behauptet: „Das war eine Zwergfledermaus“, dann müssen wir sicherstellen, dass sie nicht bloß das Knirschen meiner Kunststoffjacke oder das Rauschen des Windes in den Blättern für eine Fledermaus gehalten hat.
Validierung bedeutet: Vergleich zwischen Computer-Logik und der echten Welt.
Eine „Transektbegehung“ klingt kompliziert, ist aber eigentlich ein fester Kontrollgang.
Was passiert da? Ich laufe eine vorher genau festgelegte Strecke (z. B. am Padersee) in einem bestimmten Tempo ab.
Warum machen wir das? Weil wir so verschiedene Lebensräume „abtasten“: Mal sind wir direkt am Wasser, mal unter Bäumen, mal an einer Laterne.
Der Clou: Ich bin live dabei. Wenn ich auf dem Display meines TeensyBat einen Ruf sehe und gleichzeitig mit der Taschenlampe eine Fledermaus flitzen sehe, ist das ein „echter“ Beweis. Diese menschliche Beobachtung ist der Goldstandard, an dem sich die KI später messen lassen muss.
Hierbei bleibt die Technik an einem festen Ort – zum Beispiel ein paar Stunden oder die ganze Nacht über auf einem Stativ.
Was passiert da? Der NEXUS-Sensor zeichnet völlig ungestört auf.
Warum machen wir das? Während wir beim Gehen manchmal Störgeräusche erzeugen (das berühmte Plastikknirschen!), ist die stationäre Messung „sauber“. Sie zeigt uns, wie sich die Aktivität über Stunden verändert, wenn kein Mensch die Tiere stört.
Fledermäuse sind keine Maschinen; sie reagieren auf das Wetter. Unser NEXUS-System zeichnet jede Sekunde auf, wie warm es ist und wie feucht die Luft ist.
Physik für alle: Schall bewegt sich in feuchter, warmer Luft anders als in kalter.
Die Validierung hilft uns zu verstehen: Fliegen die Tiere heute weniger, weil sie keine Lust haben, oder weil es so feucht ist, dass ihr Echo-Ruf einfach „geschluckt“ wird? (Das nennen wir dann Dämpfungskoeffizient – aber das ist ein Thema für einen anderen Blogartikel!)
Wir machen das Ganze nicht für den akademischen Grad, sondern für den Naturschutz. Nur wenn wir beweisen können (validieren!), dass unsere Daten stimmen, können wir verlässliche Aussagen darüber treffen, wie es den Fledermäusen bei uns geht.
Wir gleichen das „Gefühl“ des Naturfotografen mit der „Präzision“ der Maschine ab. Das ist wie beim Auto-TÜV: Wir prüfen, ob die Sensoren richtig geeicht sind, damit wir am Ende des Jahres eine saubere Bilanz für den Padersee ziehen können.



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