Die akustische Brille ...


Hinter der Dunkelheit: Warum ich die Nacht mit akustischen Augen „fotografiere“

Stell dir vor, du sitzt an einem lauen Abend am Ufer des Padersees oder am Waldrand. Die Sonne ist längst untergegangen, die Farben sind verblasst und für unsere menschlichen Augen bleibt nur noch ein diffuses Grau-Schwarz. Die meisten Menschen packen jetzt ihre Sachen und gehen heim. Sie denken, der Tag sei zu Ende.

Doch für mich beginnt er jetzt erst richtig.

Was, wenn ich dir sage, dass die Nacht nicht leer ist – sondern voller unsichtbarer Jäger, die seit 50 Millionen Jahren über uns wachen? Und dass wir ihre Sprache vergessen haben?

Ich sitze dort nicht nur als Naturfotograf, sondern als Beobachter einer Welt, die uns seit über 50 Millionen Jahren umgibt und die wir dennoch kaum kennen. Es ist die Welt der Fledermäuse. Oft werde ich gefragt: „Was machst du da eigentlich mit deinem NEXUS-Gerät? Ist das nicht nur Spielerei?“ Oder schlimmer: „Willst du dich damit nur wichtig machen?“

Es ist Zeit, diese Fragen zu beantworten und euch mit auf eine Reise zu nehmen, die weit über Bits, Bytes und Sensordaten hinausgeht.

Der blinde Fotograf

Wenn ich den NEXUS einschalte – mein selbst entwickeltes System aus Mikrocontrollern und Umweltsensoren –, fühle ich mich wie ein blinder Fotograf. Ich sehe das Motiv nicht mit den Augen, aber ich „höre“ seine Geschichte. Wir Menschen haben in den letzten 120 Jahren verlernt, die Natur als Ganzes wahrzunehmen. Wir haben die „akustische Brille“ unserer Vorfahren abgelegt, die noch wussten, dass Fledermäuse keine Schreckgestalten sind, sondern unsere wichtigsten Verbündeten.

Es ist ein Paradoxon unserer Zeit: Wir fürchten uns vor einer kleinen Zwergfledermaus, die sich vielleicht einmal in ein Zimmer verirrt, und greifen gleichzeitig zur chemischen Keule, um Mücken zu vertreiben. Wir vergiften lieber unsere unmittelbare Umgebung, als der Natur eine Chance zu geben, das Gleichgewicht selbst zu halten. Eine einzige Fledermaus vertilgt in einer Nacht tausende Insekten. Sie ist der hocheffiziente, lautlose Wächter unserer Gärten und Felder.

Zwischen Ignoranz und Realität

Manchmal fühle ich mich wie Don Quijote beim Kampf gegen die Windmühlen. Wenn ich Landwirten von biologischen Lösungen erzähle und nur ein müdes Lächeln ernte, oder wenn „Klappskallis“ mir Geltungssucht vorwerfen, nagt das an der Resilienz. Aber dann denke ich an die 50 Millionen Jahre Evolutionsgeschichte, die in jedem einzelnen Flügelschlag über dem Wasser stecken.

Mein Ziel mit dem NEXUS ist es nicht, Recht zu haben. Mein Ziel ist es, die Realität sichtbar zu machen. Wenn wir verstehen, bei welcher Temperatur, welcher Luftfeuchtigkeit und welchem Wind diese Tiere aktiv sind, schlagen wir eine Brücke zurück zum verlorenen Wissen. Daten sind für mich kein Selbstzweck – sie sind Geschichten, die darauf warten, erzählt zu werden.

Der nächste Schritt: Der Mittwoch der Wahrheit

Am kommenden Mittwoch steht ein großer Meilenstein an. Ich werde die Daten meines Systems direkt mit den professionellen Messwerten des Deutschen Wetterdienstes in Bad Lippspringe abgleichen. Es ist der Moment, in dem aus dem „Hobby“ eine valide Forschung wird. Es ist der Moment, in dem die Fakten die Ignoranz besiegen können.

Ich lade euch ein, diese Reise mit mir zu gehen. Nicht, weil ich die Technik so sehr liebe (auch wenn sie ein „nettes Gimmick“ ist), sondern weil ich möchte, dass wir wieder lernen, die Wunder direkt vor unserer Haustür zu schätzen. Dass wir den Mückenstich nicht mit Gift bekämpfen, sondern mit dem Schutz eines Lebensraums für Wesen, die schon hier waren, lange bevor wir das erste Licht entzündeten.

Lasst uns die akustische Brille wieder aufsetzen. Es gibt da draußen so viel zu hören.

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