Feeding Buzzes und 2 Arten
Es war kurz nach halb sechs, als ich das Rig am Padersee aufgebaut hatte. Der Himmel war bedeckt, Bewölkungsgrad 1/8 – knapp, aber trüb genug, dass die Dämmerung früh einsetzte. Der NEXUS maß 15,0 °C und 67 % relative Feuchte. Windstill aus Süd, kaum mehr als eine Brise. Eigentlich kein spektakulärer Abend. Eigentlich.
Was die nächsten zwei Stunden liefern würden, war der erste vollständig NEXUS-validierte Nachweis zweier Fledermausarten am Padersee – inklusive Umweltdaten auf die Sekunde genau, atmosphärischer Schalldämpfung nach ISO 9613-1 und nicht einem, sondern mehreren Feeding Buzzes.
🦇 18:13:39 Uhr – Die erste Fledermaus des Abends
Um exakt 18:13:39 Uhr registrierte der TeensyBat die ersten Rufe. BatDetect2 klassifizierte beide Detektionen eindeutig als Pipistrellus pipistrellus – Zwergfledermaus – mit Konfidenzwerten von 0,82 und 0,85. Die FM-Sweeps mit Schwerpunkt bei ~46 kHz sind im Spektrogramm klar zu erkennen.
Abb. 1: Spektrogramm seg003 (SR: 383.500 Hz) – Erster Nachweis der Zwergfledermaus
um 18:13:39 Uhr. Zwei BatDetect2-Detektionen mit Konfidenz 0,82 / 0,85.
Die horizontale Linie bei ~46 kHz ist ein bekanntes Artefakt des TeensyBat (Harmonische der
22,5 kHz-Grundstörung).
Zum Zeitpunkt des Erstnachweises maß der NEXUS rund 12 °C bei ~74 % Feuchte – daraus ergibt sich eine atmosphärische Dämpfung von α(40 kHz) ≈ 1,17 dB/m. Bei einem angenommenen Quellpegel von 120 dB SPL und einem Detektionslimit von ~40 dB ergibt sich eine theoretische Reichweite von gut 60 Metern – ein komfortabler Jagdradius.
🦇🦇 18:22–18:23 Uhr – Zwei Arten, ein Feeding Buzz
Knapp zehn Minuten später verdichtete sich das Geschehen erheblich. Segment 010, aufgezeichnet ab 18:23:00 Uhr, zeigt innerhalb von zwei Sekunden eine bemerkenswerte Szene: Mehrere Feeding Buzzes und – die eigentliche Überraschung des Abends – zwei Arten gleichzeitig.
Abb. 2: Spektrogramm seg010 (SR: 383.500 Hz) – Feeding Buzzes und simultane Detektion von
P. pipistrellus (kleine Boxen, ~45–50 kHz) und P. nathusii
(große Boxen, breiter FM-Sweep bis ~80 kHz). Konfidenz 0,80–0,85.
BatDetect2 detektierte neben der Zwergfledermaus (P. pipistrellus) mehrfach die Rauhautfledermaus (Pipistrellus nathusii) – erkennbar an den deutlich breiteren FM-Sweeps, die von ~80 kHz hinunter bis ~45 kHz reichen. Beide Arten jagten offensichtlich gleichzeitig am selben Gewässerabschnitt.
Ende Februar ist P. nathusii als Zugzieher phänologisch früh aktiv. Ob es sich um überwinterte Tiere oder bereits frühe Heimzügler handelt, lässt sich mit diesem Einzelnachweis nicht klären – aber der Nachweis ist dokumentiert, datiert und mit Umweltdaten hinterlegt. Das ist der Nullpunkt der Langzeitstudie für diese Art am Padersee.
📊 NEXUS – Umweltbedingungen während seg010
Abb. 3: NEXUS-Rohdaten (CSV) für den Zeitraum 18:22–18:23 Uhr.
2-Sekunden-Auflösung, α-Werte berechnet nach ISO 9613-1.
| Parameter | Wert |
|---|---|
| Temperatur | 10,73–10,75 °C |
| Relative Feuchte | 77,09–77,10 % |
| Taupunkt | 6,88–6,90 °C |
| Luftdruck | 1009,07–1009,08 hPa |
| Wind (Avg) | 2,0–2,33 m/s aus S / SSE |
| α (40 kHz) – P. pipistrellus | 1,108 dB/m |
| α (55 kHz) – P. nathusii | 1,496 dB/m |
Der Unterschied zwischen den α-Werten der beiden Arten ist akustisch bedeutsam: Die Rauhautfledermaus sendet bei höheren Frequenzen und leidet damit unter ~35 % stärkerer atmosphärischer Dämpfung als die Zwergfledermaus – unter identischen Umweltbedingungen, zur selben Sekunde, am selben Ort. Ihre effektive Detektionsreichweite ist entsprechend kürzer.
✅ Fazit
Der 25. Februar 2026 markiert den ersten vollständig instrumentierten Nachweis von Pipistrellus nathusii am Padersee. Nicht als Zufallsfund, sondern mit Datum, Uhrzeit, GPS-Position, Mikroklima und berechnetem α-Wert – alles in einer CSV-Zeile. Genau dafür wurde der NEXUS entwickelt.
Der Temperaturabfall von 15 °C auf knapp unter 10 °C über zwei Stunden, kombiniert mit steigender Feuchte, führte dabei zu einem sinkenden α(40 kHz) von 1,22 auf 1,10 dB/m – der Temperatureffekt dominierte über den Feuchteeffekt. Die Jagdbedingungen verbesserten sich also im Laufe des Abends, was sich im zunehmend dichten Rufbild in den späteren Segmenten widerspiegelt.
Methodik: TeensyBat (SR 383.500 Hz) + NEXUS v4.3.1 (XIAO ESP32S3, BME680, AIR530, SEN-15901). KI-Klassifikation: BatDetect2. Dämpfungsberechnung nach ISO 9613-1, validiert 25.02.2026. #Fledermausforschung #CitizenScience #NEXUS #ISO9613 #PipistrellusNathusii #Padersee



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