🦇 Entwicklertagebuch: Der NEXUS im Mai-Feldeinsatz

Von Lunar-Phobie und akustischen Blasen

Wer glaubt, dass ein modulares Messsystem einfach nur einmal zusammengesteckt wird und dann fehlerfrei durchläuft, der hat noch nie nachts im Wald gestanden. Willkommen in meinem digitalen Notizbuch.

Während ich parallel die offizielle Plattform paderbats.org für finale Berichte und Whitepapers vorbereite, möchte ich hier im Blog das tun, was dieses Projekt im Kern ausmacht: Die ungeschönte Entwicklung, das Tüfteln an der Hardware und die konkreten, täglichen Erkenntnisse dokumentieren. Der Mai hatte es bisher nämlich in sich.

01.05. & 02.05. – Der handfeste Beweis der „Lunar-Phobie“

Die ersten beiden Mainächte lieferten direkt ein Lehrstück aus der Verhaltensbiologie, das sich glasklar in den Datensätzen des NEXUS widerspiegelte: die sogenannte Lunar-Phobie.

Obwohl die Temperaturen und die klimatischen Bedingungen eigentlich gut passten, ging die Aktivität merklich in den Keller. Der Grund stand hell am Himmel. Fledermäuse meiden bei hellem Mondschein oft allzu offene Flächen, um sich vor Fressfeinden (wie Eulen) zu schützen. Wenn die Daten der Sensorik exakt mit den astronomischen Phasen korrelieren und das Verhalten im Feld so präzise belegen, weiß man, dass die Erfassungsmethodik verlässlich arbeitet.

09.05. – Die erste (inoffizielle) „akustische Blase“

Ein absolutes Highlight war der 09. Mai. Hier konnte ich im Datensatz drei markante Ereignisse verzeichnen, die außerhalb der berechneten akustischen Standard-Reichweite lagen.

Das ist der erste, wenn auch noch inoffizielle Feldhinweis auf das Phänomen der „akustischen Blase“ – also das Zusammenspiel von Mikroklima, Luftfeuchtigkeit und Temperatur, welches die Schallausbreitung der Rufe lokal massiv beeinflussen kann. „Inoffiziell“ deshalb, weil diese Ereignisse in dieser Nacht nicht parallel mit dem Radar vermessen und verifiziert werden konnten. Aber genau diese Anomalien sind es, die zeigen, wo die Reise hingeht: Sie liefern die perfekte Steilvorlage für kommende, gezielte Messreihen.

Die Philosophie der Modularität

Ein großer Vorteil, der sich bei solchen Nächten immer wieder bezahlt macht, ist der modulare Aufbau des NEXUS. Alle Verbindungen sind steckbar, alle Komponenten kostengünstig und schnell austauschbar.

Warum das wichtig ist? Weil Evolution im Feld stattfindet. Wenn sich ein Subsystem – wie das Radarmodul – im praktischen Einsatz noch nicht so verhält wie gedacht, wird nicht das ganze Projekt über den Haufen geworfen. Es wird optimiert, umkonfiguriert und angepasst. Das alte Modul findet demnächst seinen Platz im geplanten Höhlen-Setup (NEXUS-Cave), während das fliegende System (NEXUS-Air) ein Hardware-Upgrade erhält.

Erst wenn ein Setup die Validierung über die angestrebten 30 Messnächte fehlerfrei besteht, wandern die Ergebnisse als finales Whitepaper rüber auf die Hauptseite.

Bleibt dran – das nächste Update aus der Nacht folgt bald! 

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