🦇 Wo waren / sind die Fledermäuse ? 🤔

Zufallsfund: Wo waren die Fledermäuse?

20. Juni 2026 · Dörenerholzweg

Eigentlich ging es an diesem Abend gar nicht um Fledermäuse. Meine Frau wollte das Steinkauz-Pärchen fotografieren, das sich am Dörenerholzweg mit seinem Nachwuchs niedergelassen hat – ein schöner Fund für sich. Der TeensyBat lief trotzdem mit, wie eigentlich immer, wenn wir abends unterwegs sind.

Was ihr dann auffiel: keine Fledermäuse. Keine Schatten über dem Weg, keine der typischen Jagdmanöver, die man am Dörenerholzweg sonst kennt. "Komisch, hier ist ja gar nichts los" – und genau dieser beiläufige Satz ist der Grund, warum dieser Beitrag hier steht.

Der Vergleich, der sich danach aufdrängte


Rein zufällig hatten wir am Dörenerholzweg schon einmal gemessen – am 20. März 2026, exakt drei Monate zuvor. Beim Blick in die Auswertung der NEXUS-Daten zeigte sich ein Unterschied, der größer war, als ich erwartet hätte:

20.03.2026: 6.343 Detektionen, dominiert von P. pipistrellus (99 %), fast monotones Artenspektrum, kühle 8–10 °C.






20.06.2026: 173 Detektionen, P. pipistrellus zwar weiterhin häufigste Art (76 %), aber deutlich diverseres Spektrum (u. a. N. leisleri, E. serotinus, P. austriacus), warme 25–29 °C.






Ein Faktor von über 35 zwischen zwei Nächten am selben Standort. Das ist keine Marginalie, das ist ein anderer Eindruck vom Lebensraum, je nachdem, an welchem der beiden Abende man hingefahren wäre.

Eine Frage, die größer ist als der Dörenerholzweg


Daraus ergibt sich eine Hypothese, die über diese eine Beobachtung hinausgeht: Was, wenn ein Gutachten – wie in der Praxis oft üblich auf 2–3 Messnächte begrenzt – ausgerechnet in eine solche untypische Phase fällt? Im Frühjahr, wenn Tiere Wochenstubenquartiere beziehen und entsprechend schwärmen, könnte eine kurze Stichprobe ein völlig anderes aktivitätsbasiertes Bild liefern als im Hochsommer während der eigentlichen Wochenstubenzeit – mit potenziell erheblichen Konsequenzen für Standortbewertungen, etwa bei der Planung von Windkraftanlagen.

Ich will an dieser Stelle ausdrücklich nicht überinterpretieren: Es handelt sich um zwei Nächte, keine kontrollierte Wiederholungsmessung, und mindestens zwei alternative Erklärungen muss ich selbst noch ausschließen, bevor daraus mehr als eine Beobachtung wird:

- Wetterbedingte Reichweite statt Aktivitätsunterschied. Kühle, feuchte Märzluft dämpft Ultraschall frequenzabhängig anders als warme Sommerluft (Stichwort molekulare Relaxation, ISO 9613-1). Es ist denkbar, dass am 20.03. schlicht mehr Rufe in Reichweite des Mikrofons lagen, ohne dass mehr Tiere unterwegs waren – mein "Akustische Blase"-Modell beschäftigt sich genau mit diesem Effekt.
- Einzelereignis statt Muster. Eine Nacht kann ein Schwärm-Ereignis am Quartier eingefangen haben, das nicht repräsentativ für die Frühjahrssaison insgesamt ist.

Warum ich das trotzdem aufschreibe


Weil es ein schönes Beispiel dafür ist, wie eine Forschungsfrage entsteht: nicht am Schreibtisch, sondern aus einer Randbemerkung beim Steinkauz-Fotografieren. Und weil es zeigt, dass eine auffällige Zahl allein noch keine Aussage ist – man muss erst die naheliegenden Alternativerklärungen durchgehen, bevor man von einem "Befund" sprechen darf.

Für Studierende, die nach einem Einstieg in saisonale Effektgrößen, Pseudoreplikation oder Survey-Design-Probleme suchen: Hier ist ein Mini-Fallbeispiel mit echten Rohdaten, offenen Fragen und allen Fallstricken inklusive. Ich werde im Rahmen meiner laufenden 30-Sessions-Reihe für das Whitepaper systematischer nachschauen, ob sich das saisonale Muster über mehr Standorte bestätigt – dieser Beitrag bleibt bewusst als das stehen, was er ist: ein Zufallsfund, kein Beweis!

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Teil der laufenden Fledermaus-Feldforschung am Dörenerholzweg, Paderborn · [paderbats.org](https://paderbats.org)

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