Vom Fledermausprojekt zur Umweltplattform – was ich während der NEXUS-Validierung gelernt habe

Als ich vor einiger Zeit begann, den NEXUS zu entwickeln, hatte ich ein ganz konkretes Ziel vor Augen: Ich wollte das Mikroklima während der Fledermausaktivität erfassen und verstehen, welchen Einfluss Temperatur, Luftfeuchte und weitere Umweltparameter auf die Bioakustik haben.

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Heute – nach vielen Messnächten, der laufenden Validierung und zahlreichen Diskussionen – muss ich schmunzeln.

Denn mittlerweile glaube ich, dass ich den NEXUS am Anfang selbst unterschätzt habe.

Eine Erkenntnis aus der Praxis

Während der Validierungsphase drehte sich zunächst alles um Fledermäuse. Doch mit jeder Messung wurde deutlicher, dass dieselbe Sensorik auch ganz andere Fragen beantworten kann.

Nicht die Fledermäuse standen plötzlich im Mittelpunkt.

Sondern das Ökosystem.

Je länger ich darüber nachdachte, desto klarer wurde mir: Eigentlich misst der NEXUS nicht Fledermäuse.

Er misst den physikalischen Zustand einer Umwelt. Die Fledermäuse reagieren lediglich auf diesen Zustand.

Eine Erinnerung aus meiner Ausbildung

Dabei musste ich an meinen Ausbilder während meiner Ausbildung zum Maschinenschlosser denken.

Er war einer von den alten "Ur-Schlossern" und sagte immer:

"Ein guter Schlosser braucht einen Hammer, einen Schraubendreher – auch wenn er immer 'Schraubenzieher' sagte – und eine Pulle Öl. Damit kannst du fast alles reparieren."

Damals war das für mich einfach ein typischer Spruch aus der Werkstatt.

Heute, fast vierzig Jahre später, verstehe ich, was er eigentlich meinte. Nicht die Anzahl der Werkzeuge ist entscheidend.

Entscheidend ist, dass man universelle Werkzeuge besitzt und weiß, wann man sie richtig einsetzt.

Genau das ist der NEXUS geworden

Rückblickend habe ich offenbar genau dieses Prinzip auf den NEXUS übertragen.

Nicht bewusst.

Es ist während der Forschung entstanden.

Soll ein Gewässer untersucht werden?

Dann kommen limnologische Sensoren zum Einsatz – Temperaturprofile, Sauerstoff, pH-Wert und Trübung.

Soll das Mikroklima eines Waldes verstanden werden?

Dann misst der NEXUS Temperatur, Luftfeuchte, Wind, Luftdruck und weitere Umweltparameter.

Geht es um Höhlen oder Bunker?

Dann steht die Stabilität des Mikroklimas im Vordergrund.

Und wenn Bioakustik untersucht wird?

Dann ergänzt ein Ultraschallrekorder die physikalischen Messungen.

Die Plattform bleibt dieselbe.

Nur die wissenschaftliche Fragestellung entscheidet darüber, welche Sensoren verwendet werden.

Plötzlich ergibt alles Sinn

In den vergangenen Monaten entstanden viele Ideen:

  • NEXUS-Air

  • NEXUS-Forest

  • NEXUS-Cave

  • NEXUS-Aqua

Lange dachte ich, das seien unterschiedliche Projekte.

Heute sehe ich das anders.

Es sind keine verschiedenen Projekte.

Es sind verschiedene Anwendungen derselben Plattform.

Der eigentliche NEXUS ist nicht der Sensor.

Nicht der Mikrocontroller.

Nicht die Software.

Der eigentliche NEXUS ist die Verbindung zwischen physikalischen Umweltprozessen und biologischen Reaktionen.

One Health beginnt nicht erst beim Menschen

In den letzten Monaten bin ich immer häufiger über den Begriff One Health gestolpert.

Oft wird dabei zuerst an die Gesundheit von Menschen gedacht.

Ich sehe inzwischen noch einen Schritt davor.

Bevor sich Ökosysteme verändern...

bevor Tierpopulationen reagieren...

bevor Waldbrände entstehen...

bevor Gewässer unter Sauerstoffmangel leiden...

verändern sich zunächst die physikalischen Bedingungen.

Temperatur.

Luftfeuchte.

Wind.

Wasserschichtung.

Gaszusammensetzung.

Genau diese Veränderungen lassen sich messen.

Vielleicht besteht der größte Wert des NEXUS deshalb gar nicht darin, Fledermäuse zu erfassen.

Vielleicht besteht sein eigentlicher Wert darin, Umweltveränderungen mit hoher zeitlicher Auflösung sichtbar zu machen – unabhängig davon, ob sie einen Wald, ein Gewässer, eine Höhle oder die Aktivität von Fledermäusen betreffen.

Forschung verändert manchmal auch den Forscher

Die Validierungsphase sollte ursprünglich nur zeigen, ob der NEXUS zuverlässig funktioniert.

Stattdessen hat sie auch meine eigene Sichtweise verändert.

Ich habe kein Messgerät für Fledermäuse gebaut.

Ich habe – ohne es anfangs zu merken – eine modulare Open-Source-Plattform entwickelt, mit der sich unterschiedlichste Umweltprozesse untersuchen lassen.

Vielleicht ist genau das die wichtigste Erkenntnis der vergangenen Monate.

Nicht jede Forschung beantwortet nur Fragen.

Manchmal zeigt sie dem Forscher auch, was er eigentlich geschaffen hat.

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