🫵🦇 Richtigstellung & Technische Klarstellung: Was NEXUS leistet – und was nicht 🦇🫵

In den letzten Tagen erreichten mich einige Rückfragen zu meinem Blogbeitrag vom 17. August (Warum pauschale Reichweitenmodelle in der Bioakustik scheitern). Bei einigen Lesern hat sich daraus offenbar der Eindruck verfestigt, dass das NEXUS-System direkt in die Steuerung von Windkraftanlagen (WKA) eingreift oder ich mit den erhobenen Daten eigenmächtig Abschaltungen veranlassen könne.

Da hier Ursache, Wirkung und die rechtlich-technische Realität von WKA-Abschaltalgorithmen durcheinandergeraten sind, möchte ich das technisch und organisatorisch klarstellen.


1. Die technische Realität von WKA-Abschaltalgorithmen

Industrielle Abschaltalgorithmen (Anti-Kollisions-Systeme oder klassische Fledermaus-Abschaltalgorithmen an Windkraftanlagen) basieren auf behördlich genehmigten, statistischen Modellen. Diese Module arbeiten in der Regel mit:

  • Starren Standard-Parametern für die akustische Reichweite der verbauten Gondel-Mikrofone.

  • Festgelegten Schwellenwerten für Windgeschwindigkeit, Temperatur, Uhrzeit und Saison.

  • Geschlossenen, proprietären Steuerungs-Schnittstellen, die direkt in die SPS (speicherprogrammierbare Steuerung) der Windkraftanlage eingreifen.

NEXUS besitzt weder eine Schnittstelle zu diesen Anlagen noch eine behördliche Lizenzierung als Abschaltorgan. NEXUS ist ein ziviles, quelloffenes Forschungs- und Messsystem zur Hochpräzisions-Erfassung von Mikroklima und Bioakustik im Feld.


2. Physikalische Kritik vs. Operative Steuerung

Was wir am 17. August thematisiert haben, ist die physikalische Schutzlücke in der Theorie, nicht eine operative Steuerung in der Praxis:

  • Die Physik (alpha-Wert nach ISO 9613-1): NEXUS berechnet die temperatur-, feuchte- und druckabhängige Ultraschalldämpfung (alpha ɑ) in Echtzeit. Wir belegen damit empirisch (in Übereinstimmung mit Luo et al. 2013, Goerlitz 2018 und de Framond et al. 2023), dass die „Akustische Blase“ – also der tatsächliche Erfassungsradius eines Mikrofons – unter extremer Trockenheit oder Hitze massiv schrumpft.

  • Das Problem der WKA-Praxis: Wenn der physikalische Erfassungsradius schrumpft, hört das Mikrofon an der Gondel Fledermäuse erst auf viel kürzere Distanz. Ein fester Schwellenwert im Abschaltalgorithmus geht aber weiterhin fälschlicherweise von einem großen Erfassungsradius aus. Die Anlage registriert weniger Rufaktivität – nicht weil keine Fledermäuse da sind, sondern weil der Schall auf dem Weg zum Mikrofon in der Luft erstickt.

  • Die Konsequenz: Heutige Abschaltalgorithmen nutzen die behördlich etablierten Standardmodelle ihrer Generation. Unsere Forschung zeigt, wie die nächste Generation dieser Steuerungen durch die Einbindung von Echtzeit-Mikroklimadaten noch präziser werden kann. Es geht hier nicht um Kritik an der Windenergie, sondern um technische Evolution: Genau wie Mobilfunk oder Wettervorhersagen durch bessere Daten genauer werden, kann auch die WKA-Steuerung durch schallphysikalische Erkenntnisse weiter optimiert werden – für maximalen grünen Strom bei gleichzeitig Punktgenauem Artenschutz.


3. Fazit und Abgrenzung

NEXUS zeigt wissenschaftlich und messtechnisch auf, wo und warum die derzeit in Gutachten und WKA-Steuerungen verwendeten statischen Reichweitenmodelle an Grenzen stoßen.

  • NEXUS liefert die messtechnische Evidenz für den Einfluss des Mikroklimas auf die Akustische Blase (=Detektionsreichweite).

  • NEXUS drückt keine Knöpfe, steuert keine WKA und greift nicht in Genehmigungsverfahren ein.

Die Übernahme solcher dynamischen ɑ (alpha)-Korrekturen in kommerzielle Abschaltmodule wäre Sache der Hersteller, Gutachter und Genehmigungsbehörden. Wir liefern die harten physikalischen Daten aus dem Feld – die Umsetzung in der Industrie liegt außerhalb unseres Einflussbereichs.


Transparenz und Zielsetzung

Damit kein falscher Eindruck entsteht: Ich bin ein klarer Befürworter der erneuerbaren Energien. Die Energiewende ist notwendig, aber sie darf nicht blind auf Kosten der Natur und unserer biologischen Vielfalt durchgedrückt werden. Artenschutz und Energiewende dürfen keine Gegensätze sein – sie müssen handinhand gehen, basierend auf präzisen, physikalischen Fakten statt auf bequemen Pauschalannahmen.

Mein Ziel mit NEXUS ist es nicht, Windkraft zu verhindern, sondern die Schutzmaßnahmen endlich auf den Stand der realen Physik zu heben.

Sollten die Langzeitdaten des NEXUS-Systems zweifelsfrei belegen, wie die Abschaltlogiken durch die dynamische Berücksichtigung der atmosphärischen Dämpfung (alpha) präzisiert werden können, werde ich diese Erkenntnisse unverzüglich und lückenlos den Herstellern, Gutachtern und zuständigen Behörden zur Verfügung stellen.

Ich werde mich immer dafür einsetzen, dass der Schutz der Fledermäuse und ihrer Habitate den Stellenwert bekommt, der ihm zusteht. 


Erneuerbare Energien?

Ja, absolut – aber mit Verstand und nicht auf dem Rücken der Tierwelt.

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